Fressfeinde und Geldwäsche

Der Alltag hat mich wieder. Ich finde gar nicht so leicht in ihn zurück. Montagmorgen will ich das Fraktionsbüro aufschließen und muss dreimal überlegen, mit welchem Schlüssel!
Meinem ersten Geldtransfer am Kiosk – Hamburger Zeitungen kaufen – fehlt die übliche Routine: Was kosten nochmal BILD, Mopo und Abendblatt zusammen? Ich gebe einen Schein. Der Obstsalat nebenan beim Händler kostet zwei Euro. Welche Münzen gebe ich? Der Schnack mit dem Händler bringt Zeitgewinn und erspart mir Peinlichkeit.

Einige Kronen-Scheine habe ich noch, nun will ich sie tauschen. Die HASPA-Dame will meine Kontonummer wissen. Da ich zögere, sagt sie: „Oder Ihren Ausweis.“ Ich trage meinen Ausweis eigentlich nie mit mir rum, habe ihn aber posturlaubsmäßig noch im Portmonee. Dennoch frage ich: „Warum?“ Beim Tausch Euro in Kronen vorm Urlaub musste ich ihn auch nicht vorzeigen. Sie sagt: „Wegen Geldwäsche.“ Ach. Es handelt sich um 250 Kronen, die ich tauschen will. Das sind etwas über 30 Euro. Die Dame hat wohl zu viele Krimis geschaut. Oder ihre Schulung zu ernst genommen?
Ich beschließe mit mir, nicht zu diskutieren über diesen Blähbock. Schnell tauschen und weg aus dem Bankinstitut, dem ich in Bezug auf mein Girokonto bereits vor Jahren den Rücken gekehrt habe.

Bin ich endlich im Alltag angekommen? Zum Mittag sitze ich draußen, vor mir eine Suppe. Der Wind bläst mir fröhlich die Zeitung durch – ganz wie am Strand. Schön!

Da! Nein! Oh Gott! Eine Fressfeindin nähert sich. Hass macht sich breit. Die Zerstörerin aller Esskultur, aller Friedlichkeit. Die Augustplage. Das neugierigste, penetranteste und verfressendste Tier, das es gibt. Es setzt sich auf mein Brötchen, stört sich nicht an der flatternden Zeitung. Es stört mich!

Ich kämpfe nicht. Ich töte nicht. Ich resigniere. Ich wechsel den Sitzplatz, rein in den Laden, weiteressen, weiterlesen. Die Wespe folgt mir. Ich schlage stets nach Wespen, also keine Belehrungen. Mit Erfolg: Sie verwindet. Mein Urlaub ist vorbei, Hamburg hat mich wieder.

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