Zum Ende der Financial Times Deutschland

Anlässlich der drohenden Einstellung der „Financial Times Deutschland“ (FTD) und die massive Bereinigung des Wirtschaftspresseportfolio von Gruner+Jahr erkläre ich als medienpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE in der Hamburgischen Bürgerschaft:

Wir sehen mit Sorge, dass unabhängige Zeitungen immer weniger werden. Damit bricht ein wichtiges Stück Demokratie weg. Dies gilt auch für die Zusammenlegung der Springer-Titel Abendblatt und WELT. Warum jetzt das Ende der FTD erklärt wird, hat aber vor allem strategische Gründe:

Es findet eine Bereinigung des Konzernportfolios statt. Das Ende der Wirtschaftspresse ist eine Folge des neuen Kurses von Bertelsmann, der G+J-Konzernmutter, in Richtung Digitalisierung, Internationalisierung und Restrukturierung der Kerngeschäfte. Die Blicke der Verlagsmanager gehen vermutlich in Richtung 2013, denn es droht eine Rezession. Daher wird es meiner Einschätzung nach nicht bei der Wirtschaftspresse bleiben: G+J ist Marktführer im Anzeigengeschäft. Die rückläufigen Umsätze werden zu weiteren Restrukturierungsprozessen führen. G+J dürfte seit dem Start der FTD hunderte Millionen Euro investiert haben. Auch andere Verlage investieren ohne schnelle Gewinnerwartung, das ist Wesenszug verlegerischen Handelns.

Das Ende der FTD wird über 300 Arbeitsplätze in Hamburg, aber auch von Journalistinnen und Journalisten in Frankfurt treffen. Eine Einstellung wird auch Folgen für Druckstandorte der FTD haben, Berlin und Frankfurt. Seit 2001 erscheint die Zeitung und ist noch nie wirtschaftlich erfolgreich gewesen. Trotz großer Worte von G+J-Verantwortlichen führte auch Ausstieg des Mitgesellschafters Pearson und die spätere Zusammenlegung von der FTD, Capital, Impulse und Börse Online am Standort Hamburg zu keiner grundlegenden Änderung.

Mit Blick auf das digitale Geschäft gehe ich außerdem davon aus, dass auch der Onlineauftritt der FTD aus dem Netz genommen wird, denn die digitale Präsenz von Printmarken dient vor allem dem Markenerhalt und deren Verlängerung. Ohne eine starke Printmarke kann es sich noch nicht selbst erhalten.

Die Fraktion DIE LINKE fordert, dass diese Entwicklung nicht für Tarifflucht und Lohndumping benutzt wird. Das würde letztlich zu Lasten der Qualität der Printprodukte gehen. Die Beschäftigten können stolz auf ihre Leistungen sein! Wir fordern weiterhin von den Verlagen verlegerisches Denken und Investitionen in Qualitätsblätter – auch und vor allem in starke, unabhängige Zeitungen!

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